Hallo zusammen,
wie versprochen, die Fortsetzung der Geschichte um Chrystal und Klaus.
Schöne Weihnachten
wünscht Euch jetzt schon
Eure Andrea
High Noon 2
Ah, endlich kommt sie. Locker lasse ich die Smith & Wesson um meinen Finger kreisen. Das sieht bei John Wayne immer so cool aus. Leider hakt das dumme Ding an meinem dicken Finger und DAS sieht wiederum sehr uncool aus.
„Ach du meine Güte“, haucht Chrystal und schlägt sich mit der flachen Hand vor den Kopf. „Das hatte ich ja ganz vergessen. Dafür habe ich jetzt gar keine Zeit. Schau mal, was ich alles eingekauft habe.“
Sie packt aus der roten Hochglanztüte ein winziges weißes Kleidchen aus Alabasterseide. Zufrieden mustert sie meine entgleisenden Gesichtszüge. Aus einer anderen Tüte erscheinen der Reihe nach: eine Lichterkette mit Rentieren, ein Parfüm Heavens Stardust, ein Paar Blanikpantoletten mit glitzernden Puscheln auf den Spitzen, den Ratgeber "Innere Ausgeglichenheit durch Heilsteine", eine Packung himmlische Marzipanpralinen, eine Pistole mit rosa Strasssteinchen, die allerdings in Wirklichkeit ein Feuerzeug ist und zu guter Letzt einen feuerwehrmannroten Jogginganzug.
„Da, der ist für dich. Zieh ihn doch bitte gerade mal über.“
Gottergeben schlendere ich hinters Gatter, hinter den Strohballen scheint mich niemand sehen zu können und zwänge ich in dieses knappe Teil.
„Zeig dich doch mal Klausi“, flötet sie und ich weiß, wenn ich den mühsam wiederhergestellten Frieden nicht sofort wieder dem Verfall preisgeben will, muss ich gehen.
Die massigen Bullen auf der Weide wiehern und schütteln die schweren Köpfe. „Hört auf zu lachen ihr Rindviecher, sonst mache ich aus euch Carpaccio“, zische ich ihnen zwischen den Zähnen zu. Der Jogginganzug presst sich an mich wie eine Taucherausrüstung. Nur nicht zu stark bewegen, sonst platzt die Naht.
Chrystal klatscht begeistert in die Hände. „Süß“, quietscht sie.
„Macht mich er mich nicht zu dick?“, frage ich zurück.
„Ich habe nie gesagt, dass du zu dick bist! Stattlich vielleicht-aber niemals zu dick! Fällt Dir eigentlich irgendetwas an mir auf Klausi?“
„Nein, du bist so wunderschön wie immer Chrystal.“
Warum nur schwenkt sie ihr Lamettahaar so seltsam hin und her?
„Nun guck doch mal Klaus. Irgendetwas fällt dir doch auf an mir oder?“
Au weia au weia. Jetzt schnell überlegen. Was könnte es sein? Schweiß tritt mir auf die Stirn aber mir fällt beim besten Willen nichts ein. Sie sieht rosig aus. Hat sie vielleicht zugenommen? Aber DAS werde ich nicht fragen.
„Nein, mir fällt nichts auf!“
„Gar nichts?“
„Was?“
„Meine Haare! Idiot.“
„Was ist denn mit Deinen Lamettahaaren?“
„Sie sind lila.“
„Oh.“
„Oh, das ist aber auch alles, was dir einfällt. Ich sag dir mal ´was. Ich nehme jetzt oh den Wagen und fahre zu meiner Mutter.“
Mist, ich hatte mich schon so auf die Marzipanpralinen gefreut. Aber das war es dann wohl wieder. „Sieh zu das der ADAC (Angel Defends Automobile Crash) dich nicht wieder abschleppen muss.“ Quietschende Kufen wirbeln eine Menge Staub auf und weg ist sie.
Mein Rufen versickert zwischen den Sternen des schwarzsamtenen Himmels von Arizona.
Samstag, 22. November 2008
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